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Wieser Katharina *1980

Die Arbeiten der Installationskünstlerin Katharina Wieser machen die Suche nach neuen Raumempfindungen spürbar und heben die Charakteristik eines Ortes hervor. Darüber hinaus ergründet die Künstlerin die Grenzen zwischen Innen und Aussen, dem offenen und dem geschlossenen Raum. Ihre temporären Installationen thematisieren aber auch die Vergänglichkeit ihrer Kunst. Ihr Schaffen ist ein iterativer Prozess, der mit Skizzen und Modellen aus Karton beginnt. Fotografien dieser Modelskizzen ermöglichen dann eine Visualisierung des geplanten Werkes, sowie das Erwägen seiner Auswirkung auf die Umgebung. Mit Vogelflug (2004) und Weisser Raum (2005) errichtet die Künstlerin einen massgeschneiderten Innenraum, in dem sie ihre künstlerischen Ansätze erforschen kann. Beide Werke bestehen aus einem Raum, in den ein Stück Himmel oder Tageslicht von aussen hineindringt und dort in diesem Raum ein Spiel zwischen Innen und Aussen erzeugt. Diese Werke stehen jedoch nicht in direktem Zusammenhang mit ihrer tatsächlich existierenden Umgebung. Dies ändert sich mit ihrer Arbeit Passerelle (2006), eine Holzkonstruktion, in der sich die Funktion des genutzten Raumes widerspiegelt und eine «mise en abyme» des Ortes schafft. Seitdem sind Katharina Wiesers Werke raumbezogen. Holz als Hauptmaterial steht meistens im Gegensatz zu den umstehenden Industriebauten, in denen die Künstlerin ihre Werke ausstellt, macht aber auch die Installation akustisch wahrnehmbar und regt den Geruchssinn an. So geschehen auch mit ihrer neuesten Arbeit Rampe, die wie ein Fremdkörper im Industriebau des ewz-Unterwerkes steht. Der begehbare Steg ist 20 Meter lang und dehnt sich geradlinig durch den gesamten Ausstellungsraum aus. Er (ent)führt den Besucher in einen Teil des Raumes, den noch niemand zuvor betreten hat. Neue Raumperspektiven vervielfältigen die Sichtachse und bieten dem Besucher eine veränderte Wahrnehmung seiner Umgebung. Am höchsten Punkt der Rampe angekommen, auf 2.7 Meter über dem Boden, steht der Besucher auf gleicher Höhe mit dem unteren Fensterrahmen des Raumes. Die Fenster, die immer nur als Lichtquelle gedient haben, werden so zu einem möglichen Weg für einen Blick nach aussen. Doch das milchige Glas verhindert jede Aussicht und thematisiert wiederum die Abgrenzung von inneren und äusseren Räumen.

Stella Wenger, 2007