*1984Gregory Polony hält es nicht für nötig, Schein und Sein in seinem künstlerischen Schaffen wie die Spreu vom Weizen zu trennen. Er lässt beides zeitgleich zu, was verwirrt und anzieht. Es ist das Verstecken und gleichzeitig das Offenbaren da und dort, was den Reiz vieler seiner Arbeiten ausmacht. Eigenhändig gegossene Betonplatten werden ungesehen in die Erde vergraben, Zeichnungen machen Hirngespinste auf Papier sichtbar, und bald ist in der Ausstellung nur noch ein Inventarkatalog zu sehen, die Werke selber zeigen sich nicht als Exponate, sondern bleiben unzugänglich als Depotbestand verborgen. Sind seine Werke zwar nicht sicht- und nicht greifbar, spürbar ist dennoch das Potenzielle, eine Aktivierung ist jederzeit möglich – bloss momentan eingefroren, in ‹solid state›. Was als geschicktes Spiel mit den Erwartungen der Betrachtenden daherkommt, ist gleichzeitig ein unnachgiebiges Nachdenken Polonys über die Mechanismen des Kunstmachens, über seine Aufgaben als Künstler: das Produzieren, das Zeigen, das Lagern. ‹Solid State› nennt Polony sein Schaffen – seine Ideen in fest(geworden)em Zustand. Jemand sorge für konstante Temperatur!
Sarah Stocker, 2011