Lorenzo Bernet *1986

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Mit offen angelegten Arbeiten, die dem Betrachter Raum für Interpretation lassen und ihn gleichzeitig durch die gezielte Auswahl und Anordnung von Bildern steuern, knüpft Lorenzo Bernet an die Methoden der Werbeindustrie an. Durch seine Ausbildung in einer Kommunikationsagentur besitzt er einen pragmatischen Zugang zu seiner künstlerischen Tätigkeit. Für ihn ist Kreativität nicht die inhärente Gabe eines Einzelautors, sondern ein erlernbarer Prozess, der auch im Kollektiv ausgeführt werden kann. Er wendet die Strategien der Kreativwirtschaft auf die Kunst an, um etwa durch Arbeitsteilung effizienter zu arbeiten. Seine Plakatserie «Hot Desk» (2011) ist nach einem System der Arbeitsorganisation benannt, bei der Angestellte sich an jeweils freie Arbeitsplätze setzen. Lorenzo Bernet verwendete dafür das Computerprogramm Adobe Bridge, das eine schematische Anordnung von Bildmaterial auf Kontaktabzügen ermöglicht. Für den Zürcher Kunstraum Studiolo entwickelte er gemeinsam mit Yannic Joray eine Möbeledition, die sich nicht einer determinierten Funktion unterordnet. Die Objekte bewegen sich an der Grenze zwischen Kunst und Design, sie können unterschiedlich angeordnet, verwendet und dementsprechend rezipiert werden. Sie werfen im Kontext eines Studiolos – eines Studierzimmers – ferner die Frage auf, inwiefern die Einrichtung eine Auswirkung auf die Konzentration und Produktivität haben kann. In der Auseinandersetzung mit den Bedingungen von kreativen Prozessen können die Werke von Lorenzo Bernet als Versuchsanordnungen gelesen werden, bei denen der Arbeitsprozess gleichzeitig zum bildhaften Motiv wird.
Charlotte Matter, 2012