Künstlerreise

Die Ausstellung bringt junge Schweizer Künstler/Innen zusammen, die angefragt wurden, sich auseinanderzusetzen mit dem Thema Künstlerreise und dessen Einfluss auf ihre eigenen künstlerischen Aktivitäten.

Dieser Begriff der Künstlerreise deckt absichtlich ein sehr breites Untersuchungsfeld ab. Es kann sich um eine Reise der physischen Art handeln, die der Entdeckung von Orten oder menschlichen Artefakten dient, die beide eine ganz spezielle Faszination ausüben. Das Thema kann Bezug nehmen auf den historischen Topos der Künstlerreise, wie er etwa bei Albrecht Dürer oder Jacopo de Barbari einen fundamentalen Stellenwert einnimmt. Das Thema der Künstlerreise kann sich aber auch in der Tradition der ‚Grand Tour’ verdeutlichen, welche im XVII. und vor allem im XVII. Jahrhundert die jungen Leute der höchsten britischen Sozialklassen nach Kontinentaleuropa führte in der Absicht, ihr Wissen und ihr Interesse für die Kunst und die Antike auszubilden. Nicht zu vergessen sind, unter vielen weiteren Beispielen, die Reisen und die Berichte von Winckelmann, Goethe, Stendhal oder Lord Byron.

Die Ausstellung hinterfragt ausserdem die Relevanz dieser Reisen, beziehungsweise das spezifische Verständnis solcher Reisen, in Bezug auf unsere Epoche. Sie hinterfragt den Nutzen solcher ‚Pilgerreisen’, welche mittlerweile in Konkurrenz stehen zu ganz neuartigen Zugängen zur Welt, die die Welt auf einen Klick zugänglich machen. Die Künstlerreise lässt sich aber auch als innere Reise definieren, wobei der Künstler literarischen und/oder visuellen Quellen begegnet, die mit der Zeit zu seinem eigenen ‚musée imaginaire’ werden können, in das er jederzeit zurückkehren und woraus er kreative Inspiration schöpfen kann. Der Künstler muss sich in diesem Fall auf sich selbst besinnen und die eigentlichen ‚Schöpfer’ [Maler, Fotografen, Regisseure, Architekten, Schriftsteller, Musiker…] enthüllen, deren Werke eine zentrale Bedeutung in der Konstitution seiner eigenen Identität und des eigenen ‚Stils’ haben. Letztendlich der, mit der Introspektion gemischte Blick, der jeden Künstler sowohl auf die wirklichen Orte sowie Orte geistiger Natur werfen soll. Dieser wird uns die Türen seines persönlichen Imaginären öffnen, und die intime, träumerische Welt – in der sich sein Werk entfaltet - entschleiern.

Die Künstlerreisen auf die sich die Ausstellung bezieht, sind die Berichte besonderer Reisen, die jungen Künstler ihre Inspirationsquellen gegenüberstellen. Die Kunstschaffenden sind eingeladen, frei in ihren Arbeiten Zitate, Re-Formulierungen und Aneignungen ihrer verschiedenen Einflusssphären wiederzugeben. Was die Ausstellung hauptsächlich verhandeln möchte, ist die weit verbreitete Diagnose, wonach ein grosser Teil der gegenwärtigen künstlerischen Aktivitäten auf nichts beruhen als Obskurität. Dagegen soll vermittels Beispiele junger Kunstschaffender aus der Schweiz eine Perspektive verstärkt zum Ausdruck bringen, dass der Begriff des Reisens – und mit ihm komplexe Fragen nach Identität, Inspiration, Einfluss und Vermittlung – auf einer mehrdimensionalen Bedeutungsebene weiterhin einen legitimen Schlüssel zum Verständnis zeitgenössischer Kunst bietet und in der kunsthistorischen Tradition weiterhin einen wichtigen Stellenwert einnimmt.