
*1971www.likeyou.com/marcelsener
Auf kleinformatigen Leinwänden vereint Marc Elsener Mensch und Natur in einer altmeisterlichen Bildsprache. Den Landschaften, die der Fantasie entsprungen sind, werden Figuren entgegengesetzt, die entweder alleine, als zusammengehörige Gruppe oder als Ansammlung von isolierten Personen in Erscheinung treten. So winzig und unbedeutend die Menschen in Anbetracht der in unterschiedlicher Manier dargestellten Landschaften erscheinen mögen, so sind sie dennoch stets Dreh- und Angelpunkt des Bildgeschehens. Was zu Beginn als harmloses Motiv wirken mag, offenbart sich als eine Form der existenzialistischen Selbstbefragung. Woher wir kommen und wohin wir gehen sind Fragen, die der Künstler in seinen Arbeiten thematisiert. Dabei wirft er seine Protagonisten auf sich selbst zurück; sie sind sozusagen der Natur ausgeliefert. Andernorts wiederum schlägt der Künstler einen sozialkritischen Ton an und führt dem Betrachter vor Augen, wie erbarmungslos und destruktiv der Mensch sein kann. In solchen Momenten durchbricht Marc Elsener mit subtilem Humor die trügerische Idylle. Er kratzt an der Oberfläche und bringt die vermeintlich harmonische Beziehung zwischen Individuum und Natur ins Wanken. Was passiert beispielsweise, wenn die Menschen den letzten Baum gefällt haben und in triumphaler Geste ihre Macht demonstrieren? Durch die farbliche Qualität wird das Ausmass einer solchen Handlung unterstrichen: Die kahle Landschaft erscheint in trostlosen Nuancen von Braun. Motivische und stilistische Bezugspunkte lassen sich durchaus in den skurrilen Bildwelten eines Hieronymus Bosch oder im facettenreichen Figurenrepertoire eines Pieter Brueghel d.Ä. finden. Elemente des Vergangenen transponiert Marc Elsener in die Gegenwart und erschafft malerische Welten, erzählt uns Geschichten, die leise, beinahe poetisch erscheinen und dennoch nicht minder aufwühlend sind.
Natalia Huser, 2008